Spendersuche & eine schwere Entscheidung – mein ehrlicher Weg

Dass ich eine Samenspende brauche, war für mich klar.
Aber was das wirklich bedeutet – das habe ich erst begriffen, als ich vor der Entscheidung stand.

Ich habe im September 2024 damit angefangen, mir Profile anzuschauen – zuerst bei der Europäischen Samenbank.
Die Seite war übersichtlich, die Informationen detailliert.
Ich habe sehr genau hingeschaut:
– Was ist mit der Krankengeschichte?
– Wie alt sind die Großeltern geworden?
– Gibt es Hinweise auf Erbkrankheiten?
Ich wollte einen Spender mit einem gesunden, stabilen Hintergrund.

Auch die Frage nach äußerlichen Merkmalen war präsent.
Ich bin weiß – und ich wollte, dass mein Kind mir ähnlich sieht.
Nicht, weil ich etwas ausschließen wollte, sondern weil ich selbst nicht wusste, wie ich das in meinem Umfeld erklären oder begleiten soll.
Ich wollte Verantwortung übernehmen – für das, was kommt.

Ich hatte schon zwei Profile zur Auswahl – fast entschieden.
Doch dann kam mein psychologisches Vorgespräch.
Und dort sagte man mir:
„Warten Sie noch. Sehen Sie es nicht nur aus Ihrer Perspektive – sehen Sie es aus der Perspektive des Kindes.“

Das war der Wendepunkt.
Ich habe innegehalten – und nochmal neu geschaut.

Ich habe mit der Samenbank telefoniert.
Das Gespräch war freundlich, menschlich, offen.
Es war das erste Mal, dass ich dachte: Vielleicht ist das alles gar nicht so unnormal, wie es sich anfühlt.

Die Psychologin fragte mich:

Was passiert, wenn dein Kind den Spender kennenlernen möchte?
Wird da jemand sein, der die Tür öffnet?
Oder war das nur eine anonyme Nummer für ein Taschengeld?

Ich habe weitergefragt. Ich habe andere Samenbanken kontaktiert.
Wollte wissen: Wer sind diese Männer? Warum spenden sie? Wie ernst meinen sie das?
Und ich fand jemanden, der einen Brief an das zukünftige Kind geschrieben hat.
Ein Mensch mit Haltung. Und mit Herz.
Die Samenbank sagte mir: „Er kommt regelmäßig. Und er meint es ernst.“

Ich war bereit.
Und dann kam ein Anruf:
Ein Freund – dem ich davon erzählt hatte – sagte, er wolle mir seinen Samen anbieten.
Ich war gerührt. Und überfordert.

Eine Woche lang habe ich überlegt, ob ich alles umwerfe.
Ich hatte den IVF-Zyklus geplant, die Spende lag schon in der Klinik.
Ich dachte: Vielleicht doch privat? Vielleicht besser? Vielleicht „echter“?

Ich habe mit Katharina – meiner psychologischen Beraterin – gesprochen.
Sie war klar, ehrlich und offen.
Mit Checklisten, mit Erfahrung, mit Verständnis.
Und am Ende war auch ich wieder klar.

Ich habe mich gegen die Privatspende entschieden.
Nicht, weil sie falsch war – sondern weil sie nicht mein Weg war.

Und heute weiß ich:
Ich habe mich nicht gegen jemanden entschieden – ich habe mich für mich entschieden.
Für mein Kind. Für diesen Weg.

Wenn du gerade selbst an diesem Punkt stehst:
Nimm dir Zeit. Hol dir Beratung.
Sprich mit Samenbanken – sie sind freundlicher, als du denkst.
Und glaub mir: Du musst diesen Weg nicht allein gehen.

Wiebke kann das. Und du auch!