Nach der Entscheidung stand der medizinische Teil an. Was auf mich zukam, habe ich anfangs unterschätzt: Formulare, Unterschriften, Einwilligungen. Ich musste bestätigen, dass ich verstehe, was passieren kann – inklusive dem Einfrieren von Eizellen, den rechtlichen Vorgaben und der vollen Kostenübernahme. Es war viel Papierkram, aber notwendig.
Bevor ich überhaupt anfangen durfte, brauchte ich einen aktuellen Ultraschall. Ich hatte Glück, weil ich ohnehin Urlaub gebucht hatte. Der erste Versuch zu starten scheiterte trotzdem: Eine Gelbkörperzyste hatte sich gebildet. Damit durfte keine Stimulation begonnen werden. Ich musste einen Zyklus warten – etwas, womit ich emotional nicht gerechnet hatte.
Beim nächsten Versuch lief es besser. Zwei Tage nach Periodenbeginn war der Ultraschall unauffällig. Die Ärztin gab das Startsignal für die hormonelle Stimulation. Ich bekam Rezepte für die Medikamente und eine Einführung, wie ich die Spritzen setzen musste. Den ersten Zyklusstart habe ich tatsächlich in Rom verbracht – und mir beim Spritzen von meiner besten Freundin helfen lassen, weil ich den ersten Schritt allein kaum geschafft hätte.
Nach sechs Tagen kam der erste Kontrollultraschall. Es sah gut aus, aber noch nicht reif genug. Ich musste weiter stimulieren und noch ein paar Tage später erneut zur Kontrolle. Das Reisen war anstrengend, aber es ging nicht anders. Schließlich wurde die Punktion terminiert: mein erster Eingriff, unter Kurznarkose.
Bei der Punktion wurden nur zwei Eizellen gefunden, obwohl vier bis fünf Follikel zu sehen waren. Das war ein Schock, denn ich hatte mit mehr gerechnet. Eine Eizelle ließ sich nicht befruchten, die andere entwickelte sich aber weiter. Sie wurde vier Tage später eingesetzt.
Der Embryotransfer war surreal. Ich konnte den kleinen Zellhaufen auf dem Bildschirm sehen, bevor er eingesetzt wurde. Alles wirkte riesig und gleichzeitig weit weg. Danach sind wir einfach zu McDonald’s gefahren und haben Pommes gegessen – ein völlig normaler Moment nach einem völlig unnormalen Tag.
Die Zwei-Wochen-Wartezeit war emotional hart. Ich hatte erste Anzeichen – Spannung in der Brust, mehr Hunger, das Gefühl, dass sich etwas verändert. Aber als der Bluttest kam, war der HCG-Wert niedrig. Die Klinik in Deutschland sprach schnell von einer biochemischen Schwangerschaft, während meine Ärztin vor Ort noch Hoffnung machte.
Ich hing zwischen den Welten. Jeden Tag Blutabnahmen, HCG-Wert verfolgen, Hoffnung gegen besseres Wissen. Als der Wert nicht mehr stieg, sondern fiel, war klar: Die Schwangerschaft endet. Ich brauchte Wochen, um das zu verarbeiten. Über Weihnachten kam schließlich die erste Periode nach dem Abgang.
Mein erster IVF-Zyklus war eine Achterbahnfahrt. Hoffnung, Enttäuschung, neue Hoffnung, neue Enttäuschung. Und trotzdem: Ich habe es durchgezogen. Das zählt.